Rückblick

Pastor Dr. Gottfried Martens war von Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Straßburg eingeladen worden, am 4. April dort über die Situation der christlichen Asylbewerber in unserem Land zu sprechen. Es waren zumeist Abgeordnete aus dem östlichen Mitteleuropa bis hin zum Baltikum, die zu diesem Gespräch erschienen waren. Er war sehr dankbar für die Offenheit, die er dort erfuhr, und für die Bereitschaft der Abgeordneten, sich für das Bleiberecht christlicher Konvertiten in Deutschland einzusetzen. Es handelt sich ja auch nicht bloß um ein rein deutsches Problem. In immer mehr europäischen Ländern haben christliche Konvertiten Probleme, ihre Konversion noch als Asylgrund vorbringen zu können. 



Aus dem Gemeindebericht von Pastor Dr. Gottfried Martens für das Jahr 2016:

Zu einem Gemeindebericht gehört auch immer ein Blick auf die Statistik des vergangenen Jahres. Unsere Gemeinde ist im vergangenen Jahr von 945 Gemeindegliedern um über 50% auf 1422 Gemeindeglieder am 31. Dezember 2016 angewachsen. Wir hatten im letzten Jahr insgesamt genau 500 Taufen in unserer Gemeinde - 66 Kindertaufen und 434 Erwachsenentaufen. Außerdem gab es noch 70 Eintritte und Überweisungen aus anderen SELK-Gemeinden. Dem stehen 6 Sterbefälle, 20 Überweisungen in andere SELK-Gemeinden und 67 „Austritte“ gegenüber - wobei mit Austritten bei uns gemeint ist, dass so mancher Flüchtling, der zunächst in unsere Gemeinde gekommen war, später anderswohin verlegt wurde, selber in eine andere Stadt zog und sich dort einer anderen Kirche anschloss oder auch hier in Berlin oder Brandenburg selber schließlich in eine andere Kirche ging. Mit solchen Bewegungen muss man in einer solchen Flüchtlingsarbeit immer rechnen. Höchst erfreulich ist die Alterszusammensetzung unserer Gemeinde: Genau 700 Gemeindeglieder, also fast 50%, sind unter 30 Jahre alt. Wir haben 193 Kinder unter 14 Jahren. Dagegen sind nur 10,8% unserer Gemeindeglieder älter als 50 Jahre. Im vergangenen Jahr hatten wir 18.450 Kommunionen an unserem Altar zu verzeichnen, davon 18.076 von Gemeindegliedern. Wir versuchen, den logistischen Herausforderungen, die damit verbunden sind, mit dem Einsatz von jeweils zwei Kommunionhelfern und dazu durch die Erweiterung des Altarraums und die Anschaffung weiterer Kelche zu begegnen. Leider ist auch die Zahl der Abendmahlsrestanten im vergangenen Jahr deutlich angestiegen - von 124 auf 201. Von diesen 201 sind allerdings weit weniger als die Hälfte Iraner und Afghanen. Die Restantenquote bei ihnen liegt weiterhin deutlich unter 10% - und wenn man die Gemeindeglieder, die in den Iran zurückgekehrt sind, noch abzieht, ist sie noch geringer. Dazu kommt, dass von den Iranern, die letztes Jahr noch Restanten waren, in diesem Jahr schon eine ganze Reihe wieder an unseren Altar zurückgekehrt ist. In der gestiegenen Zahl der Restanten spiegelt sich vielmehr wieder, dass es mir wegen der Dauer der Sprechstunden hier in der Gemeinde nur sehr begrenzt möglich war, noch Gemeindebesuche zu unternehmen. Ihre Zahl sank von 417 auf 275. Immerhin konnte ich noch 90 Hausabendmahlsfeiern halten. Erfreulich ist jedoch, dass es schon eine ganze Reihe von Gemeindegliedern gegeben hat, die im letzten Jahr nicht am Sakrament teilgenommen hatten, die aber in diesem Jahr nun doch wieder an unseren Altar zurückgekehrt sind. Wir hatten 13 Erwachsenenkonfirmationen und zwei Trauungen. Insgesamt haben wir in unserer Kirche 144 Gottesdienste im letzten Jahr gefeiert, davon 142 Sakramentsgottesdienste, einen Bußgottesdienst am Karfreitag und eine Christvesper. Die durchschnittliche Zahl der Gottesdienstteilnehmer wuchs im vergangenen Jahr bei den Gottesdiensten am Sonntag von 270 auf 398; in den Wochengottesdiensten wuchs sie von 80,0 auf 96,2.
Wir dürfen von Herzen dankbar sein für den reichen Segen, mit dem uns der Herr der Kirche mit all den vielen Schwestern und Brüdern gesegnet hat, die in diesem vergangenen Jahr in unsere Gemeinde gekommen sind. Dankbar bin ich auch dafür, dass wir die „Welle“, in der wir uns letztes Jahr bei der Jahreshauptgemeindeversammlung noch befanden, letztlich doch verantwortlich bewältigen konnten. Vor einem Jahr stand ich noch sonntags vor einer Gottesdienstgemeinde, die zu über 50% aus Ungetauften bestand, von denen ich die meisten noch nicht näher persönlich kannte. Mittlerweile habe ich wieder den vollen Überblick über die Gottesdienstteilnehmer, die nun wieder zu über 90% getauft sind. Die Taufunterrichtsgruppen sind wieder auf eine halbwegs überschaubare Größe reduziert, und ich hege manchmal die verwegene Hoffnung, dass auch hier in unserer Gemeinde in diesem Jahr so etwas wie „Normalität“ einkehren könnte. Doch bisher hat uns der Herr der Kirche noch jedes Mal überrascht, wenn ich in meiner Arbeit anfing, von solch einer „Normalität“ zu träumen ...