Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt.

(Kolosser 4,6 - Monatsspruch für Mai 2017)

Zu den Zutaten, die in einer persischen Küche wichtig sind, gehört zweifelsohne das Salz. Gewiss, Salz spielt auch in der deutschen Küche eine große Rolle. Aber es fällt mir auf, wie Menschen aus dem Iran immer noch einmal gerne zum Salzstreuer greifen und „nachsalzen“, wo das Essen nach deutschem Geschmack eigentlich schon salzig genug ist. Wir sind in Deutschland ja in den vergangenen Jahrzehnten  darauf hingewiesen worden, dass zu viel Salz ungesund ist, dass es für hohen Blutdruck und damit zusammenhängende Krankheiten verantwortlich ist. Aber es bleibt letztlich immer eine „Geschmackssache“, wie viel oder wie wenig Salz man in einem Gericht verwendet. Nur eines ist klar: Ganz ohne Salz schmeckt Essen wirklich nicht!

Der Apostel Paulus rät im Monatsspruch dieses Monats auch zum Einsatz von Salz - allerdings nicht beim Mittagessen, sondern beim Reden der Christen. Reden ist für Christen eine entscheidend wichtige Tätigkeit, denn das Reden, das Wort, ist der Weg, auf dem die Christusbotschaft anderen Menschen nahegebracht wird. Mit Reden, mit Gesprächen, mit Argumenten reagieren wir als Christen, wo unser Glaube angegriffen und in Frage gestellt wird, wo Menschen erst einmal mit dem, was uns als Christen wichtig ist, überhaupt nichts anfangen können. Der Apostel Paulus legt wert darauf, dass wir als Christen wissen sollen, wie wir einem jeden antworten können, dass wir gesprächsfähig sind über unseren christlichen Glauben und uns darum mühen, immer noch gesprächsfähiger zu werden. Und dabei rät Paulus nun zum Gebrauch von zwei „Zutaten“ bei solchen Gesprächen über den christlichen Glauben, ja, bei allen Gesprächen, in denen erkennbar ist, dass wir sie als Christen führen: Freundlichkeit und Salz.

Freundlichkeit ist eine entscheidend wichtige Zutat bei allen Gesprächen, die wir über den christlichen Glauben führen, bei allen werbenden Reden, die wir halten, um Menschen für den christlichen Glauben gewinnen. Nichts ist abstoßender, als wenn Christen so über ihren Glauben reden, dass sie ihr Gegenüber oder einen Dritten niedermachen oder beleidigen, wenn sie anfangen zu eifern und zu geifern, nicht mehr hören auf das, was das Gegenüber sagt und fragt. Wie soll ich anderen Menschen die Freundlichkeit und Menschenliebe Gottes nahebringen, wenn ich selber in meinem Verhalten genau das Gegenteil an den Tag lege, wenn ich bösartig werde, wenn ich mit dem, was ich erzähle, Hass säe und Menschen, die nicht mit mir übereinstimmen, einfach niedermache? Vielleicht bringt mir das den Applaus einiger Gleichgesinnter ein - doch werbendes Reden für Christus und seine Kirche, wie es dem Apostel hier am Herzen liegt, sieht sicher ganz anders aus. Unfreundliches Reden hinterlässt einen bitteren Geschmack, macht auch all die guten Zutaten, die sich in solch einer Rede befinden mögen, am Ende ungenießbar.

Doch Freundlichkeit allein reicht eben auch nicht. Wenn Kirchen oder auch einzelne Christen in ihren Äußerungen einfach immer nur nett sind, nur einfach belanglose Freundlichkeiten von sich geben, dann werden sie am Ende überhaupt nicht mehr ernstgenommen. Dies mag heutzutage wohl doch auch die größere Gefahr und Versuchung sein als das religiöse Eifern, das wir heutzutage wohl eher als Relikt der Vergangenheit oder als Kennzeichen irgendwelcher sektiererischer Gruppierungen ansehen mögen. Wenn wir uns anschauen, wie in diesem Reformationsjubiläumsjahr 2017 das Evangelium, um dessen Wiederentdeckung es doch Martin Luthers einst ging, umschrieben wird, dann merkt man bald: Da fehlt vor allem eines, nämlich Salz. Wenn die Kirche sich darauf beschränkt, einfach noch einmal mit ein wenig frommer Sauce zu übergießen, was Politiker und Vertreter der Gesellschaft schon längst zuvor gesagt haben, wenn aus dem Evangelium eine Allerweltswahrheit gemacht wird, in der Christus selber überhaupt keine Rolle mehr spielt, dann ist ihre Rede einfach nur noch laff, geschmacklos und aus eben diesem Grunde ungenießbar.

Eine mit Salz gewürzte Rede - das ist eine Rede, die nicht einfach nur religiöse und kirchliche Phrasen wiederholt, auch wenn die Phrasendrescher meinen, mit ihrer Sprache besonders modern und zeitgemäß zu sein. Eine mit Salz gewürzte Rede bemüht sich darum, Menschen auf einen Geschmack zu bringen, den sie nicht auch schon vorher hatten, sie zu überraschen, sie zum Nachdenken zu bringen, ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu schwingen. Eine mit Salz gewürzte Rede sollte durchaus auch Widerspruch provozieren, weil sie Wunden wahrnehmbar macht, die behandelt werden müssen, ja eben dadurch schon behandelt werden, dass das Salz in ihnen brennt.  Wie viel Salz man dabei in einer Rede verwendet, kann durchaus unterschiedlich sein und hängt sehr davon ab, mit was für einem Gesprächspartner man es zu tun hat. Manche brauchen schon eine ordentliche Ladung Salz, damit sie an dem, was ihnen geboten wird, überhaupt gefallen finden; andere wenden sich schon schnell angewidert ab, wenn sie ein wenig mehr Salz in einer Rede entdecken, als sie es normalerweise gewohnt sind. Überlegen wir uns also immer gut, mit wem wir gerade sprechen, wie viel Salz er vertragen kann - und erst recht wie viel Pfeffer ... Sorgen wir aber auch dafür, dass uns das Salz nicht ausgeht; üben wir es hier in unserer Gemeinde ein, miteinander über den christlichen Glauben freundlich und gesalzen zu reden, sodass wir dann tatsächlich auch dazu befähigt sind, Gespräche mit anderen zu führen, die noch keine Christen sind. Wir haben als Christen doch die allerbesten Zutaten überhaupt - das Evangelium, die Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben. Da macht das Servieren doch richtig Freude! Dass auch Sie bei der frohen Botschaft von Christus immer wieder auf den Geschmack kommen, wünscht Ihnen