Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!
(Offenbarung 21,5 - Jahreslosung für das Jahr 2026)
Wir gehen aus dem Gerichtssaal heraus. Der Richter hat es in seinen Schlussworten bereits deutlich anklingen lassen: Unser Gemeindeglied wird keine Chance haben, hier in Deutschland einen Aufenthalt zu bekommen. Zutiefst ungerecht ist diese Entscheidung - aber wir wissen: Gegen diesen Richterspruch gibt es keine Einspruchsmöglichkeit. Er ist nach dem deutschen Gesetz endgültig. Daran lässt sich nichts mehr ändern. Solche Erfahrungen von Endgültigkeit machen wir immer wieder in unserem Leben: Wenn wir etwa am Sarg eines geliebten Menschen stehen und wissen: Der kommt da nicht mehr raus, den werden wir hier nicht wiedersehen können.
Wie oft wünschen wir uns im Leben, dass noch einmal alles von neuem losgeht, dass wir alles noch einmal auf Null zurückstellen können! Doch zugleich ahnen wir: Damit würde auch nicht unbedingt alles besser. Wir leben in einer Welt, die gezeichnet ist von der Trennung des Menschen von Gott, die gezeichnet ist vom Unrecht, ja, die gezeichnet ist vom Tod. Wo uns in dieser Welt etwas als „neu“ angepriesen wird, ist es zumeist doch nur eine Mogelpackung, und das nicht nur, wenn wir feststellen, dass die angeblich ganz neue Käse-Streusel-Backmischung von Dr. Oetker in Wirklichkeit nur das alte Produkt, nur fast doppelt so teuer ist.
Acrylmalerei von Doris Hopf (c) Gemeindebriefdruckerei.de
Wenn uns in der Jahreslosung für das neue Jahr das Versprechung gemacht wird, dass alles neu werden soll, mögen wir von daher zunächst einmal skeptisch reagieren: Nimmt da auch wieder jemand seinen Mund zu voll? Und was bedeutet das für mein Leben, in dem ich so oft erleben muss, dass nichts mehr neu wird?
Das Bild der Künstlerin Doris Hopf kann uns dabei helfen, den Trost der Jahreslosung zu erfassen: Da sehe ich mich selber in der Mitte des Bildes: eine ganz kleine schwarze Figur, die einen langen Schatten wirft, einen Schatten, der all das ausdrückt, was mich in meinem Leben an Schwerem und Traurigem, ja an Unrecht verfolgt. Doch dann blicke ich auf das ganze Bild: Ich sehe eine tiefblaue Farbe, die Farbe der Ewigkeit. Und auf dem Hintergrund der Ewigkeit leuchten goldene Linien. Wenn ich genauer hinschaue, erkenne ich es: Es sind zwei griechische Buchstaben: Alpha und Omega. Genau das ist es, was Christus von sich sagt: Er ist das Alpha und das Omega, das A und das O, der Anfang und das Ende. Das ist so groß, dass es weit über unseren Horizont herausragt. Alpha und Omega: sie sind nur ausschnittsweise zu erkennen - und doch so, dass das Omega, das Letzte, sehr viel größer erscheint als das Alpha, das allmählich links am Bildrand verschwindet. Nein, es bleibt nicht alles, wie es war. Das Ende, das zugleich ein neuer Anfang ist, verdrängt das Alte. Das Neue ist mehr als eine Rückkehr zum Urzustand. Wir gehen der Ewigkeit entgegen, in der nur noch das Neue sein wird und das Alte, das uns bedrückt, ganz verschwunden sein wird.
Und was hat das nun mit mir und meinem Leben zu tun? Da sehe ich über mir auf dem Bild ein goldenes Kreuz: Derselbe Christus, der das A und das O ist, hat sich für mich in den Tod gegeben, hat selber alles erlitten, was mich jetzt noch so sehr schmerzt und bedrückt, ja, auch das schreiende Unrecht. Der Längsbalken des Kreuzes ist wie ein Pfeil gestaltet, der auf das Omega weist: Schau her, ich bin es, derselbe, der für dich am Kreuz gestorben ist, der einmal das letzte Wort in deinem Leben, ja im Leben dieser Welt haben wird. Und wenn ich dann noch einmal genauer hinschaue, dann sehe ich mich umgeben vom hellen Blau, von der Farbe des Wassers. Ja, da ist in meinem Leben schon etwas geschehen: Ich bin tatsächlich schon neu geworden, auch wenn ich an mir nur so viel sehe, was alt und kaputt und frustriert ist: Im Wasser der Taufe bin ich tatsächlich schon ganz neu geschaffen worden, ein Mensch, der schon mit Christus gestorben ist und vor sich nur noch das neue Leben hat.
Menschen, die in ihrem Leben eine Nahtoderfahrung gemacht haben, berichten immer wieder davon, dass sie während ihres Sterbens durch eine Art von Tunnel gezogen wurden, an dessen Ende ein ganz helles Licht stand. Und da sehe ich mich schon an oder in diesem Tunnel stehen, an dessen Ende es ganz hell wird. Das Licht hat dieselbe Farbe wie die Farbe des Kreuzes und wie die Farbe des A und O: Am Ende erwartet mich nicht einfach ein unpersönliches Licht, sondern mein Herr Jesus Christus, der für mich am Kreuz gestorben ist und der mich am Ende einmal für immer in seiner Gegenwart leben lassen wird. Wo er, Christus, ist, da hat tatsächlich das Dunkle keinen Platz mehr, da hat all das keinen Platz mehr, was mich jetzt noch so quält und zerreißt.
Und wenn ich mir dieses Bild nun noch einmal vor Augen halte und es zum Bild meines Lebens mache, dann darf ich erkennen: Alles, was mir jetzt noch so groß und endgültig erscheint, ist nicht das Letzte. Das Letzte kommt erst noch, und seit meiner Taufe bin ich schon auf dem Weg dorthin, wo Gott einmal alle Tränen von meinen Augen abwischen wird. Wörtlich heißt es in der Jahreslosung: „Der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ Wenn Gott einmal alles neu machen wird, heißt das eben auch, dass er einmal vom Thron des Richters für immer Gerechtigkeit schaffen wird, dass auch die Unrechtsurteile dieser Welt nicht für immer bleiben werden.
Wenn ich mir das Bild länger anschaue, dann erkenne ich darin eine Menge Bewegung: Ich sehe, wie das Omega gleichsam das Alpha aus dem Bild kickt, und ich sehe, wie ich selber in dem Bild ins Licht gezogen werde, umhüllt vom Wasser der Taufe. Es bleibt nicht alles, wie es war und jetzt ist. Denn Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu! Dass auch Sie mit dieser tröstlichen Gewissheit in das neue Jahr gehen können, wünscht Ihnen