Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

(Matthäus 16,26 — Monatsspruch für September 2019)

Fast jeden Tag bekomme ich irgendwelche E-Mails zugeschickt, in denen mir eine nigerianische Millionärswitwe verspricht, mir einen Teil des Geldes zu schenken, den sie von ihrem verblichenen Mann geerbt hat, oder in denen mir mitgeteilt wird, dass ich bei einer Lotterie, bei der ich gar nicht mitgespielt habe, mehrere Millionen Euro gewonnen habe. Natürlich glaube ich diesen Nachrichten nicht, denn ich weiß: Hier in diesem Leben bekommt man nichts geschenkt. Alles hat seinen Preis. Diejenigen, die mir da Millionen von Euro schenken wollen, haben mich ja nicht persönlich so sehr ins Herz geschlossen, sondern wollen entweder irgendwelches schmutzige Geld mit meiner Hilfe waschen oder wollen einfach an irgendwelche persönlichen Daten von mir kommen, um anschließend mein Konto abräumen zu können.
Alles hat seinen Preis. Das müssen wir in unserem Leben mitunter auch auf sehr schmerzliche Weise lernen. Manche Preise stehen gleich an dem Produkt geschrieben, dass wir haben und kaufen wollen. Doch andere Preise lassen sich nicht so leicht erkennen. Da kommt ein Gemeindeglied zu mir an und ist ganz verzweifelt: Es hatte doch einen so günstigen Handyvertrag unterschrieben. Aber nun soll es mit einem Mal über 1000 Euro für das Handy selber zahlen. Ja, offenbar hatte es das Kleingedruckte nicht genau genug gelesen. Doch mancher Preis im Leben steht überhaupt nicht geschrieben. Den erfährt man überhaupt erst im Nachhinein: Da hatte ein Manager über lange Zeit Tag und Nacht gearbeitet und sich damit beruflich ganz nach oben gearbeitet. Doch eines Tages haut ihn ein Herzinfarkt von den Beinen. Seine Gesundheit war der Preis, den er für seinen beruflichen Erfolg zahlen musste. Eine andere hatte ihren Mann verlassen und war zu ihrem neuen Freund gezogen. Ihre Kinder wollten nichts mehr von ihr wissen: Eine kaputte Ehe und der Verlust der Kinder – es war ein hoher Preis, den sie für den Bruch ihrer Ehe zahlen musste.
Alles hat seinen Preis. Das weiß auch Jesus, und so macht er es uns in dem Monatsspruch dieses Monats September deutlich. Er weiß, was wir Menschen uns wünschen: Wir wollen am liebsten die ganze Welt gewinnen: Erfolg haben, reich werden, einen wunderbaren Ehepartner haben, großartige Reisen unternehmen, Spaß haben ohne Ende, gesund bleiben bis ins hohe Alter. Jesus verurteilt diese Wünsche nicht pauschal. Aber er fragt uns: Was für einen Preis bist du für all das bereit zu zahlen? Manche Preise sind Abwägungssache: Auf wieviel Freizeit bin ich bereit zu verzichten, um Erfolg zu haben, um mir ein besseres Leben leisten zu können? Auf welche Freunde bin ich bereit zu verzichten, die meinen Ehepartner nicht ausstehen können? Aber ein Preis ist auf jeden Fall zu hoch, den sollten wir auf keinen Fall zahlen, so zeigt es uns Christus hier: Was auch immer wir in unserem Leben erreichen wollen – niemals soll dabei unsere Seele Schaden erleiden.
Was Jesus hier ausspricht, ist nicht bloß eine Warnung vor einem Burnout, ist nicht bloß eine Warnung davor, dass wir uns für den Erfolg in unserem Leben niemals innerlich verbiegen lassen sollten. Auch das ist zweifelsohne bedenkenswert. Doch wenn Jesus hier in unserem Monatsspruch von unserer Seele redet, dann meint er ganz konkret unser Verhältnis zu Gott, unser Leben in der Gemeinschaft mit Gott. Was auch immer wir in unserem Leben tun, was auch immer für Ziele wir uns setzen – niemals darf unser Verhältnis zu Gott dabei Schaden leiden, niemals darf dies auf Kosten unseres Lebens in der Gemeinschaft mit Gott gehen. Sonst wäre der Preis viel zu hoch, sonst würden wir unendlich mehr verlieren, als wir gewinnen.
Wenn ich wegen meiner Arbeit keine Zeit mehr habe, zum Gottesdienst zu kommen und immer wieder den Leib und das Blut des Herrn zu empfangen, dann nehme ich Schaden an meiner Seele. Dann kann ich mir zwar nachher vielleicht einen Mercedes und ein Häuschen im Grünen leisten – aber wenn ich mir damit meine ewige Zukunft in der Gemeinschaft mit Christus kaputtmache, ist das ein ganz böses Verlustgeschäft. Wenn ich wegen meines Ehepartners meinen Kontakt zur Kirche aufgebe, weil mein Ehepartner einen anderen Glauben hat oder gar nichts von der Kirche wissen will, dann nehme ich Schaden an meiner Seele, dann verliere ich am Ende viel mehr, als ich gewinne. Wenn ich in meinem Leben zwar immer auf meine Gesundheit bedacht war, aber keinen Gedanken an meine ewige Gesundheit bei Gott verschwendet habe, dann werde ich früher oder später feststellen, dass ich viel zu kurz gedacht habe, dass ich vielleicht mich mein Leben lang wohlgefühlt habe, aber meine Seele dabei total vernachlässigt habe.
Was auch immer wir in unserem Leben erreichen mögen – wenn wir es auf Kosten unserer Beziehung zu Christus erkaufen, dann ist der Preis zu hoch, viel zu hoch. Dann stehen wir am Ende unseres Lebens mit völlig leeren Händen da.
Alles hat seinen Preis – ja, auch unser Leben. Das hat Christus, unser Herr, uns selber sehr eindrücklich gezeigt, als er für unsere Seele, für unser Leben in den Tod gegangen ist, als er für uns den Tod am Kreuz erlitten hat, damit wir für immer in der Gemeinschaft mit Gott leben können. Solch einen hohen Preis hat das ewige Leben, das er für uns erkauft hat! Zutiefst kurzsichtig wären wir, wenn wir dieses kostbare Geschenk unseres Herrn für Dinge in unserem Leben verschleudern würden, die wir am Ende doch nicht festhalten können.
Üben wir es darum immer wieder neu ein: Das Allerwichtigste im Leben können wir nur empfangen, können wir uns nur schenken lassen: Unser ewiges Leben mit Gott. Das können wir uns nicht verdienen. Der Preis wäre zu hoch. Aber Christus hat ihn bezahlt. Dass Sie genau das immer wieder im Gottesdienst erfahren, wünscht Ihnen